© imago images/Revierfoto Er fordert ein Verbot von Inlandsflügen: Trotzdem fliegt Klimaforscher Schellnhuber von Berlin nach München
Selbst ein Hans-Joachim Schellnhuber nutzt manchmal klimaschädliche Inlandsflüge. Im Interview mit dem „RND“ erklärt er, warum – und kritisiert die Bahn.
Laut Umweltbundesamt ist Fliegen die umweltschädlichste Art, sich fortzubewegen. Neben CO₂ stoßen die Flugzeuge auch Wasserdampf, Stickoxide und Rußpartikel aus, die den Strahlungshaushalt der Erde ebenfalls beeinflussen. Flugzeuge tragen damit zur Aufheizung der Atmosphäre und der Klimakrise bei.
Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft gibt an, dass der Luftverkehr einen Anteil von 3,1 Prozent an den weltweiten CO₂-Emissionen habe.
Seit Jahren wird darüber diskutiert, wie die Emissionen im Flugverkehr verringert werden können. Insbesondere die kurzen Flüge innerhalb eines Landes sind dabei im Fokus.
Klimaforscher Hans-Joachim Schellnhuber gründete das angesehene Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und gehört zu denen, die ein Verbot für Inlandsflüge fordern. Stand jetzt sind sie in Deutschland aber erlaubt – und auch Schellnhuber nutzt sie manchmal, wie er im Interview mit dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ sagte.
Schellnhuber wurde beim Check-in beobachtet
Ein Leser habe Schellnhuber am Flughafen BER an einem Check‑in-Schalter der Lufthansa gesehen – so eröffnete das „RND“ das Interview. Der Klimaforscher erklärte daraufhin, dass er aus „familiären Gründen innerhalb eines halben Tags von Potsdam nach Fürstenfeldbruck und zurück“ gemusst habe.
In diesem Fall sei es nicht anders gegangen, sagte Schellnhuber weiter. Auch die Bahn sei hier keine Alternative gewesen, obwohl auf der Strecke von Berlin nach München ja ein ICE angeboten wird, der im Idealfall weniger als vier Stunden braucht.
„Ich fahre oft damit und hatte auch schon die Bahnfahrkarte dafür“, so Schellnhuber. „Dann musste ich jedoch kurzfristig umplanen. Man kann nicht immer das klimafreundlichste Verkehrsmittel wählen – das wäre sowieso das Zuhausebleiben.“
Die Bahn als Problem
Wie geschrieben, sah Schellnhuber die Bahn bei seiner Reise in den Großraum München ohnehin nicht als Option. Wenn es aber um die Bahn als Alternative zum Flugzeug und Auto geht, gibt es in Deutschland ein bekanntes und bestens dokumentiertes Problem: Zugausfälle und Verspätungen beschädigen seit Jahren das Image des Staatskonzerns.
Auch Schellnhuber habe bereits zahlreiche Negativerfahrungen gesammelt. „Ich hatte viele Verspätungen in den vergangenen Monaten, manchmal bis zu drei Stunden, und bin manchmal erst weit nach Mitternacht zu Hause gewesen“, sagte Schellnhuber über die Deutsche Bahn.
Im Interview gab er außerdem zu bedenken: „Die Forderung (nach einem Verbot von Inlandsflügen, Anm. d. Red.) hatte ich aber wohlgemerkt daran gekoppelt, dass mehr Geld in die Schiene fließt und schnellere und vor allem zuverlässigere Hochgeschwindigkeitsverbindungen in Deutschland und Europa entstehen.“ (Tsp)
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Eine Quelle: www.tagesspiegel.de